Adele Stürzl

geboren 23.11.1892 in Wien
gestorben 30.6.1944 in München-Stadelheim

Adele Stürzl hatte eine schwere Kindheit erlebt, von der sie sich selbst schon als junges Mädchen emanzipierte. Im Mai 1918 kam sie frisch vermählt nach Kufstein, wo ihr revolutionärer Geist schnell zur Geltung kam, als sie eine Lohnerhöhung für die Arbeiterinnen in der Munitionsfabrik durchsetzte. Sie engagierte sich zunächst in der SPÖ, dann in der KPÖ. Auch nach dem Verbot der KPÖ durch die autoritäre Regierung arbeitete Stürzl weiter und wurde erstmals im Sommer 1933 für kurze Zeit verhaftet; 1934 bereits für ein halbes Jahr und 1935 nochmals für zwei Monate. Da sie in Kufstein als Kommunistin zu gut bekannt war, stellte sie die Parteiarbeit offenbar ein. Als Adele Stürzl Ende Juni 1942 festgenommen wurde, wurde ihr gleich ein ganzer Strauß von Widerstandshandlungen vorgeworfen – sie habe einen Deserteur außer Landes bringen, eine Hungerdemonstration am 1. Mai organisieren wollen und sei Mitglied einer kommunistischen Widerstandsgruppe. Tatsächlich hatte Stürzl bereits vor dem Auftreten Robert Uhrigs wieder Gelder für zurückgekehrte Spanienkämpfer gesammelt; illegale Tre en von Kommunisten fanden in ihrem Haus statt, wurden aber von ihrem Untermieter Georg Faé organisiert. Während Robert Uhrigs erstem Tirol-Aufenthalt wurde eine Zusammenkunft bei Stürzl organisiert. Während sich Stürzl von organisatorischen Aufgaben in dieser Gruppe zurückhielt, war sie aber an anderen Widerstandshandlungen führend beteiligt: So versuchte sie noch im April 1942 einem Deserteur zur Flucht in die Schweiz zu verhelfen, und schließlich versuchte sie für den 1. Mai 1942 eine «Hungerdemonstration» zu organisieren, bei der sich Hausfrauen mit leeren Einkaufskörben am Kufsteiner Stadtplatz versammeln sollten. Am 11. November 1942 verurteilte das Sondergericht Innsbruck Adele Stürzl wegen der versuchten Fluchthilfe für den Deserteur zu vier Jahren Zuchthaus; sie verblieb aber in der Innsbrucker Haftanstalt bis kurz vor Beginn des Prozesses gegen die Gruppe «Roby». Der Vorsitzende des 6. Senats des Volksgerichtshofes warf ihr, so ein Augenzeuge, vor, «sie sei eine alte, fanatische Kommunistin mit dem einzigen Bestreben, die Arbeiter aufzuhetzen und unzufrieden zu machen. Das Motiv ihrer politischen Tätigkeit sei der Haß gegen Ordnung und Eigentum.» Adele Stürzl verwies dagegen «auf ihre soziale Einstellung, denn ihr ganzes Trachten ging dahin, den Armen und Ärmsten zu helfen.» Der Volksgerichtshof verurteilte Adele Stürzl am 14. April 1944 zum Tod. Derselbe Augenzeuge berichtet weiter: «Das große Leid hat ihren Geist während der Kerkerzeit verdunkelt – trotzdem blieb ihr das Schafott in Stadelheim nicht erspart.» Sie wurde vermutlich am 30. Juni 1944 – andere Quellen nennen auch den 16. August 1944 – in München hingerichtet. Eine Straße in Kufstein erinnert heute an sie.

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Adele Stürzl

Online-Datenbank. De Gruyter. Anklage 10(9) J 819/43g, Urteil 6H 28/44 -- 10(9)J 819/43g.
Achrainer, Adele Stürzl (mit weiteren Nachweisen).
Thüminger, Mit offenen Augen (literarisch).

http://www.eduard-wallnoefer-platz.at/biografie/Adele+Stu%CC%88rzl/105
Abgerufen am: 14.11.2018