Ernst Federspiel

geboren 4.10.1924 in Innsbruck
gestorben 21.4.1945 in Innsbruck

Ernst Federspiel wuchs in einer aktiven antifaschistischen und kommunistischen Familie auf. Seine Eltern Nikolaus und Elisabeth Federspiel engagierten sich für die Kommunistische Partei und wurden deswegen bereits während der Zeit des Austrofaschismus und dann im Nationalsozialismus verfolgt. Ernst Federspiel betätigte sich schon in jungen Jahren politisch für die verbotene Kommunistische Partei. So erledigte er Kurierdienste zwischen Innsbruck und München und nahm 1942 in München an einem illegalen Parteikongress teil. Im Mai 1942 wurde Ernst Federspiel zusammen mit seinen Eltern, seiner Schwester und seinem Neffen von der Gestapo verhaftet. Wenig später wurde er zur Wehrmacht einberufen, desertierte aber aufgrund seiner politischen Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Nach einer ersten unerlaubten Entfernung von seiner Truppe wurde er vom Wehrmachtsgericht Klagenfurt zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, konnte aber noch vor Antritt der Haft zu seiner Braut nach Innsbruck ziehen. Ernst Federspiel versuchte, sich in weiterer Folge vor den Behörden versteckt zu halten und in die Schweiz zu fliehen. Nach einer neuerlichen Verhaftung brachte er sich selber eine Schussverletzung bei und konnte während des folgenden Lazarettaufenthalts abermals fliehen. Auch neuerlichen Verhaftungen in den Jahren 1943 und 1944 konnte er sich durch Fluchtversuche mit Hilfe seiner Angehörigen entziehen. Gemeinsam mit einem Bekannten versuchte er im Jahr 1944, Kontakt zu Partisanengruppen in Kärnten und der Steiermark herzustellen. Am 6. September 1944 wurde Federspiel zusammen mit seiner Braut und deren Mutter, die ihn bei der Flucht unterstützt hatten, in Klagenfurt verhaftet. Federspiels Eltern, seine Schwester, seine Braut, deren Mutter und noch weitere Fluchthelfer wurden in der Folge zu unterschiedlich langen Haftstrafen verurteilt. Das Militärgericht verurteilte Ernst Federspiel wegen Fahnenflucht zu Tode. Militärorgane vollstreckten das Urteil durch Erschießen am 21. April 1945 im Steinbruch am Paschberg in Innsbruck.

Ernst Federspiel

Müller, «Die Vergessenen vom Paschberg», S. 176-183.
Rabofsky, Die Widerstandstat, S. 236 .
Tiroler Landesarchiv, Opferfürsorgeakt Genovefa Flatscher und Hannelore Flatscher-Ecker.
Widerstand und Verfolgung in Tirol 1, S. 559f.
Widerstand und Verfolgung in Tirol 2, S. 516.

https://www.eduard-wallnoefer-platz.at/biografie/Ernst+Federspiel/27
Abgerufen am: 17.04.2021