Franz Möslinger

geboren 30.8.1902 in Meran
gestorben 28.2.1939 in Innsbruck

Franz Möslinger war zunächst Angehöriger der italienischen Staatsbahnen und begann nach Verlust dieses Arbeitsplatzes ein abenteuerliches Leben, das ihn nach Brasilien, Uruguay, Spanien und Portugal führte. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt in Innsbruck Anfang der 1930er Jahre und Kontakten mit der Kommunistischen Partei reiste Möslinger 1934 nach Russland. Seinen eigenen Aussagen zufolge kehrte er von dort enttäuscht nach Tirol zurück, betätigte sich aber dennoch erneut für die nun illegale Kommunistische Partei und wurde zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt. Einige der späteren Mitangeklagten lernte er in dieser Zeit in Haft kennen. Möslinger war für seine antinationalsozialistische Einstellung bekannt. Am 30. August 1939 erhob der Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht Wien Anklage gegen acht TirolerInnen wegen des fortgesetzten Abhörens von Feindsendern und der Verbreitung kommunistischer Propaganda. Zum Kreis der Beschuldigten gehörte auch Franz Möslinger, der zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht mehr am Leben war: Er hatte am 28. Februar 1939, nach fünf Wochen Gestapohaft, Selbstmord begangen. Ein Mithäftling berichtete später, dass Franz Möslinger etwa eine Woche vor seinem Tod schwer misshandelt in die Zelle zurückgebracht worden war. Unter dem massiven Druck der von der Gestapo durchgeführten Verhöre hatte ihn einer der Mitangeklagten in äußerst bedenklicher psychischer Verfassung angetroffen.

Online-Datenbank. De Gruyter 7 OJs 041/39.
Tiroler Landesarchiv, Opferfürsorgeakt Nelly Möslinger.

https://www.eduard-wallnoefer-platz.at/biografie/Franz+Mo%CC%88slinger/64
Abgerufen am: 01.12.2021