Josef Wieser

geboren 10.5.1899 in St. Johann in Tirol
gestorben 5.4.1944 in Veldes (Oberkrain)

Josef Wieser war zunächst Metzger, ab 1938 pachtete er eine Alpe und war außerdem Viehschätzer der Gemeinde St. Johann. 1942 wurde er zur Gendarmerie-Reserve eingezogen und in verschiedenen Orten Tirols eingesetzt, bis er im Juni 1943 in das Einsatzgebiet Oberkrain kam. Ende November 1943 wurde er schließlich dem Wachzug der Strafanstalt Vigaun zugeteilt. Gemeinsam mit dem ebenfalls zum Tode verurteilten Anton Stock aus Schwaz und dem Oberösterreicher Hermann Kneidinger ermöglichte Wieser einer gefangenen Partisanin Briefe zu schreiben und bot ihr die Möglichkeit, über ihn ein Paket zu empfangen. Die Partisanin, Celistene Kerschischnig, gab im Gegenzug den drei Männern Bescheinigungen, die sie vor Übergriffen durch Partisanen schützen sollten. Die Unterstützung Wiesers beschränkte sich auf die Übermittlung eines Briefes, die Besorgung einer Briefmarke und die Angabe einer Adresse, an die ein Paket für Kerschischnig geschickt werden könne. Nach wenigen Tagen, am 7. Jänner 1944, wurden die drei Wachebeamten verhaftet. Das in Laibach stationierte SS- und Polizeigericht XXIII (Salzburg) verurteilte die drei Wachmänner zu hohen Strafen, Wieser erhielt zehn Jahre Zuchthaus. SS-Gruppenführer und General der Waffen-SS und Polizei Erwin Rösener bestätigte dieses Urteil jedoch nicht und verlangte eine Neuverhandlung. Am 3. April 1944 verhängte dasselbe Gericht wegen Kriegsverrates das Todesurteil über Wieser, Stock und Kneidinger. Am 5. April wurden die drei Männer von Mitgliedern ihres eigenen Wachzuges erschossen. Gendarmeriekompanien, Polizei- und Gestapoeinheiten wurden zusammengezogen, um der Hinrichtung beizuwohnen.

Tiroler Landesarchiv, Opferfürsorgeakt Josef T.
Hormayr, «Die Zukunft wird unser Sterben einmal anders beleuchten», S. 178f und 182.
Zeugen des Widerstandes, S. 97-99.

https://www.eduard-wallnoefer-platz.at/biografie/Josef+Wieser/121
Abgerufen am: 25.09.2021