Karl Seemann

geboren 8.4.1920 in Lans
gestorben 29.9.1942 in Innsbruck

Karl Seemann steht in diesem Buch stellvertretend für eine unbekannte Zahl von jungen Männern, die sich einem Kriegseinsatz entziehen wollten und dafür hingerichtet wurden. Der junge Mann hatte sich durch eine relativ geringfügige Verletzung vor einem Einsatz an der Front schützen wollen. Ein offenbar durch eine unvorsichtige Äußerung davon informierter zufälliger Zeuge veranlasste die Anzeige, und das Gericht der Division 188 in Innsbruck, das wohl vorwiegend aus einheimischen Beamten zusammengesetzt war, verurteilte ihn zum Tod. Die Hinrichtung erfolgte in einem Steinbruch in der Nähe der Sillschlucht. Nur durch einen Zufall ist dieser Fall bekannt geworden. Da nicht nur die Polizei-, sondern auch die Wehrmachtsgefängnisse regelmäßig überfüllt waren, wurde Seemann im landesgerichtlichen Gefangenenhaus inhaftiert. Dessen Vorstand informierte in einem Aktenvermerk den Generalstaatsanwalt von einem unkorrekten Ablauf bei der Hinrichtung Seemanns. Während es «bisher immer üblich war», dass Organe des Militärgerichts die Ablehnung des Gnadengesuchs mitteilten, erschien diesmal nur ein Wachebeamter mit dem Geistlichen. Diese Formverletzung gibt uns einen kleinen Einblick in die der Forschung bisher noch völlig unbekannte «Normalität» der Hinrichtung von Soldaten in Innsbruck.

Tiroler Landesarchiv. Oberstaatsanwaltschaft Innsbruck, General- und Sammelakten, 441E-94.
Persönliche Mitteilung von Rosi Hirschegger, Innsbruck.

https://www.eduard-wallnoefer-platz.at/biografie/Karl+Seemann/96
Abgerufen am: 26.02.2020