Reaktionen zum neu gestalteten Eduard-Wallnöfer-Platz

Ein belebter Platz der Erinnerung

Benedikt Sauer, Tiroler Tageszeitung, 27.6.2011

Am neuen Landhausplatz sind Spuren städtischer Belebung sichtbar. Der Ort, vom glatten Glanz schon angenehm befreit, wird genutzt: von im Wasser tänzelnden Kindern, von das Denkmal umkreisenden Skatern und Skaterinnen, von Passanten, die sich in Bewunderung der Bretterakrobaten auf Bänken niederlassen, von Schulklassen und Lehrern und Lehrerinnen, die den zentralen politischen Platz mit seinen neuen Akzenten in einen Lehr- und Lernort verwandeln. Eine öffentliche Stätte.

Mit der Entfernung von Stufen beim Denkmal wurde nicht nur ein wenig Monumentalität zurückgenommen, mit dem Öffnen der Gitter nicht nur die ursprüngliche Kreuzesform der Bundesländerwappen aufgelöst und so der Vielfalt des antifaschistischen Widerstands Rechnung getragen: Beide sensiblen Interventionen erweisen sich befruchtend auch für die Annäherung an das Monument.

Der nun ins Deutsche rückübersetzte Denkmalspruch („Den für die Freiheit Österreichs Gestorbenen”), den bei Erbauung nicht die französischen Militärs, sondern die Tiroler Behörden im gemeinhin unverständlichen Latein haben wollten, reduziert zwar den Einsatz gegen das NS-Regime auf ein nationalstaatliches Motiv. Umso bedeutender ist daher, dass die 107 am Denkmal namentlich Gewürdigten, deren Biografien im Begleitbuch veröffentlicht sind, die Breite des Protestes zeigen: etwa den Migrationshintergrund mancher in Tirol Aktiver und den Einsatz Einheimischer gegen das Franco-Regime.

Eine Leerstelle fällt aber auf: Am Landhaus, ehemals NS-Gauhaus, wäre eine erklärende Tafel angebracht.

Gesamtansicht des Eduard-Wallnöfer-Platzes.

„Neuer” Landhausplatz in Innsbruck sorgt für Landtagsdebatte

Bis dato seien 5,17 Mio. Euro für die Bauarbeiten am neuen Landhausplatz an Firmen ausbezahlt worden. Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom 18.5.2011

Der in hellem Spezialbeton neu gestaltete Platz vor dem „Landhaus 1” in Innsbruck hat am Mittwoch für heftige Debatten im Tiroler Landtag gesorgt. Der Chef der stärksten Oppositionsfraktion, LAbg. Fritz Dinkhauser, ortete eine „Missgeburt”, der Platz sei „unnötig wie ein Kropf”. Ganz anders sah das Finanzlandesrat Christian Switak (V), „da ist etwas Positives gelungen”. Er versicherte in einer Anfragebeantwortung, dass der vom Landtag beschlossene Kostenrahmen unterschritten werde.

Der veredelte Spezialbeton wirke „gleißend”, kritisierte Dinkhauser. Man könne den nach dem legendären Tiroler Landeshauptmann benannten „Eduard Wallnöfer Platz” nur mit einer Skibrille betreten, er sei „eine Mondlandschaft”. Angesichts des höchsten Budgetdefizits aller Zeiten und Kürzungen sei die Investition ungerechtfertigt. Für „Europas größten Skateboardplatz” habe um 97.000 Euro sogar eine eigene Kehrmaschine angeschafft werden müssen.

Kritik kam auch von anderen Oppositionsfraktionen: FP-LAbg. Richard Heis hätte die für den Platz verwendeten Gelder lieber für den Pflegebereich oder die Schuldnerberatung verwendet. Die Grüne LAbg. Maria Scheiber kritisierte, dass an öffentlichen Plätzen „sukzessive das Grün weggenommen wird”. Eigentlich sei am östlichen Rand des Platzes eine Baumreihe zugesichert gewesen.

Eine endgültige Kostenaufstellung gebe es derzeit noch nicht, berichtete der Finanzlandesrat. Bis dato seien 5,17 Mio. Euro an Firmen ausbezahlt worden. Die Betriebskosten für den Platz würden nicht höher sein als bisher. Für den Platz werde derzeit ein eigenes Veranstaltungskonzept erstellt. Geplant sei das Abhalten von „drei bis vier” Großveranstaltungen pro Jahr.

Die Neugestaltung des „Landhausplatzes” wurde 2007 eingeleitet und in einem mehrstufigen Architektenwettbewerb fixiert. Insgesamt 25 Architekturbüros beteiligten sich daran. Realisiert wird es durch die interdisziplinäre „ARGE asteludin/stiefel kramer/grüner”. Seit 5. Mai ist der Platz wieder öffentlich zugänglich, die offizielle Wiedereröffnung folgt. (APA)

Blick auf das Befreiungsdenkmal und das dahinter liegende Landhaus.

Initiative der Facebook-Gruppe Free Landhausplatz
(1.200 AnhängerInnen im März 2011)

Mit der Ausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 13.3.2011:
„Betonwüste blüht durch Skateboarder auf”

Der Landhaus Platz, auch als Eduard-Wallnöfer Platz bekannt, scheint immer mehr die Gemüter zu erhitzen. Dieser Platz bietet einen großartigen Aufenthaltsort für Jung und Alt und hat das Potenzial sich zu einem lebhaften Treffpunkt verschiedener Sportarten, sowie Kinder und Passanten zu entwickeln. Vorallem die Skateszene ist von der ”Betonwüste” sehr angetan. Deshalb !!! Tretet der Facebook-Gruppe Free Landhausplatz bei, sodass skaten auf diesem Platz noch länger möglich ist.

http://innsbrucksk8tv.com/2011/03/landhaus-platz/

Der "urbane Landschaft" aus der Vogelperspektive.

Landhausplatz neu: Moderne Architektur sorgt für Gesprächsstoff

Thema: Neuer Landhausplatz.
Tiroler Tageszeitung, 29.10.2010

Am 26. Oktober durfte ich mir ein erstes Bild vom Landhausplatz neu machen. Ich habe ja schon in der TT und anderen Informationsblättern einige Pläne zu dem Neubau gesehen – da konnte ich mir nicht vorstellen, wie das Geplante wirkt. Bitte – ich bin kein Architekt und habe von urbanen Neuplanungen keine Ahnung, aber was ich sehen musste, kann doch keinem gefallen.

Ich bin erst/schon 35 und verstehe die moderne Welt nicht mehr. Stein auf Stein, Beton über Beton, Laubbäume in kleinen Erdgefängnissen, Steinhügel wie geschaffen für Skater und kleine Kinderknie. Spontan kam mir der Gedanke, wer diese Flächen reinigt. Einen Gärtner braucht man hier wohl nicht mehr, eine Straßenkehrmaschine – einen Hochdruckreiniger? Das soll der Platz für die Zukunft sein? Ein sehr engagierter Demonstrant machte am Nationalfeiertag mit kleinen Schildern seinen Unmut kund, er verglich den Platz mit einer Mondlandschaft und einer Abschussrampe für Raketen. Ein wenig Recht hat er da schon. Zugegeben, in Tirol gibt es sicher viel Grün und Natur und man braucht für Veranstaltungen sicherlich eine ebene Steinfläche, aber den Rest vom Landhausplatz dann auch noch verbauen?

Ich weiß nicht, ob Innsbruck da so auf dem richtigen Weg ist.

Gabriela Egger 6020 Innsbruck 

Das Befreiungsdenkmal bei Nacht.

Volksfest im Hohen Haus und am Landhausplatz

Der Tag der offenen Tür im Landhaus war Premiere für den neuen Platz davor.
Elke Ruß, Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom 26.10.2010, aktualisiert: Fr, 04.03.2011

(…) Der Landhausplatz bildete heuer nicht nur die Kulisse für Frühschoppen, sportliche Bühnenshows, Präsentationen der Blaulicht-Organisationen und die TT-Rutsche, sondern war selbst Hauptdarsteller: Die Umgestaltung wurde zwar nicht zeitgerecht fertig, dennoch wurde der Platz gleich mit einem Ambros-Konzert offiziell eröffnet.

„Wie man heute sieht, eignet er sich sehr gut für öffentliche Veranstaltungen”, erklärte Platter zufrieden. „Ich bin sicher, dass er gut angenommen wird.” Er solle „ein Platz sein, wo Bewegung ist und nicht ,Eintritt verboten‘ – ein absolut offener Platz der Begegnung.” Die schiefen Ebenen sollten Kinder einladen, zu radeln und zu rodeln.

Der ressortverantwortliche LR Christian Switak nannte den Platz, dessen neues Kleid „knapp unter dem Kostenrahmen von 6,1 Millionen Euro bleiben wird”, sogar „ein Kunstwerk für sich, eine liegende Skulptur”. Switak verwies auf 36 Bäume sowie Trinkbrunnen, die man aufstellen werde. Es sei „ein urbaner Platz der Begegnung, wo man ohne Konsumzwang sitzen kann”. Wer sich benehme, müsse auch nicht fürchten, vertrieben zu werden. Nicht so einhellig war das Echo in der Bevölkerung: „Zu kahl”, „kalt und leer” und „zu grell” befanden Kritiker, während ein junges Pärchen vor allem die Rampen „super” fand. „Geschickt gemacht, mit Raum für große Aufmärsche und andererseits ein Relax-Platz”, meinte hingegen ein älterer Herr. „Er muss unbedingt belebt werden!”, forderte eine Seniorin resolut. Gestern war er das zweifellos. (…) 

Frontansicht des Landhauses.

 

https://www.eduard-wallnoefer-platz.at/landhaus/reaktionen-zum-neu-gestalteten-eduardwallnoferplatz
Abgerufen am: 14.12.2018